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Installation der Gedenktafel für die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten, deportierten und ermordeten jüdischen Bürger Albisheims am Sonntag, 08. November 2015

Anlässlich der Übergabe an die Öffentlichkeit der Gedenktafel, für die jüdischen Opfer von Albisheim, die während der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden, fand am Sonntag, den 8. November im Dorfgemeinschaftshaus eine Feierstunde statt. Enthüllt wurde die Bronzetafel von Ortsbürgermeister Friedrich Strack und dem Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins Erwin Hofrichter, am Eingangsbereich zum Gemeindepark. Der jüdischen Tradition entsprechend legte Dieter Runck zum Zeichen des Gedenkens an die Ermordeten für jeden verlesenen Namen einen Stein unterhalb der Tafel ab. Friedrich Strack unterstrich zu Beginn der Feierstunde, „die Erinnerung hat kein Verfallsdatum“ und verwies mit Blick auf die Darstellung des Wandfrieses, dass es jüdisches Leben in unserer Gemeinde gab, bis eine ganze Kultur während der NS- Zeit mit ihren Menschen liquidiert wurde. Leider nicht persönlich anwesend sein konnte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz, Dr. Larissa Janzewitsch aus Kaiserslautern. Wir gedenken des 77. Jahrestags der Reichsprogromnacht. Es war die Nacht der brennenden Synagogen und zerschlagenen Vitrinen von jüdischen Geschäften, von den jüdischen Leben und Herzen. Gedenken heißt immer auch Erinnern, so aus den Grußworten, verlesen von Dieter Runck. Dem Vergessen entgegenwirken. Mit Blick an das dunkle Kapitel der pfälzischen Geschichte, der Deportation der Juden nach Gurs, verlas Erwin Hofrichter das Gedicht des österreichischen Schauspielers Max Strassberg „Nacht über Gurs“, sowie Gabi Treiber das Gedicht „An meine Brüder in den KZs“, der Sozialwissenschaftlerin Käthe Leichter, die 1940 in das Frauen- KZ Ravensbrück deportiert und ermordet wurde. „Namen sind (nicht) Schall und Rauch…“oder wie Pfarrer Volker Jakob die Frage stellte „Was hat der Holocaust mit mir zu tun?“ Maßstab für das eigene Handeln muss der Respekt und Achtung gegenüber den Anderen sein und daraus der Maßstab für das eigene Handeln. Er erinnerte an die traurige Rolle der Kirche in dieser Zeit und dass es Menschen gab, die das verhängnisvolle Unglück, die die jüdischen Mitbürger erfuhren, zum eigenen Vorteil nutzten. Durch die Gassen von Albisheim, zu den damaligen Häusern der jüdischen Bewohnern, führte Eva Unger die Gäste der Gedenkstunde. Eindrücklich berichtete sie über deren Schicksale von Flucht, Deportation und Ermordung. Uli Pohl, die auch die Broschüre vorstellte, zündete für jeden der Getöteten eine Kerze an. Aus Briefen von Vertriebenen las Heidrun Merz, deren Familie langjährig mit ihnen korrespondierte und auch persönliche Begegnungen pflegte. Verbandsbürgermeister Steffen Antweiler mahnte zur Wachsamkeit aller, gegen menschenverachtend und gefährlich rechtes Gedankengut. Für den einfühlsamen musikalischen Rahmen sorgten Mariannelli Spratte und Bernd Knell. Ein besonderer Dank galt Eva Unger, der Initiatorin, die im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Geschichts- und Heimatvereins Albisheim ausführte, dass Albisheim auch Heimat und Wohnort jüdischer Mitbürger war, die in der Geschichte der Gemeinde verwurzelt sind. Zum Gedenken an die Opfer der NS- Zeit sollte eine Erinnerungstafel geschaffen werden. Aufgrund dieser Initiative konnte der Arbeitskreis „Gedenktafel für jüdische Opfer während der NS- Zeit“ in Albisheim zum ersten Mal am 10. Juni 2015 tagen. Ihm gehören an: Friedrich Strack und Uli Pohl als Vertreter der Gemeinde, Volker Jakob und Gabi Treiber (Evangelische Kirchengemeinde Albisheim, sowie Eva Unger, Heidrun Merz, Erwin Hofrichter und Dieter Runck vom Geschichts- und Heimatverein. Bereits im Vorfeld hatte Frau Eva Unger wochenlang in verschiedenen Archiven recherchiert und eine Liste mit dem Namen der Opfer erstellt. Unterstützt von Frau Renate Rosenau, Mitglied der Landesarbeitsgruppe Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen in der NS- Zeit in Rheinland- Pfalz. Eine diffizile Arbeit, da bei den Namensabgleichen in den vorhandenen Unterlagen in einigen Fällen Differenzen sichtbar wurden. Ermitteln konnte Eva Unger nach dem heutigen Stand 16 jüdische Frauen und Männer aus Albisheim, die deportiert und ermordet wurden.

Dank an Dieter Runck für Text und Bilder!