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Die Anfänge

Schon in der Jungsteinzeit sind durch Funde wie Faustkeile und später Steinäxte und anderes Gerät aus Stein nicht nur im mittleren Pfrimmtal, sondern auch in der näheren Umgebung, menschliche Besiedelungen bezeugt, wie die Exponate des Kirchheimbolandener Heimatmuseums deutlich zeigen.
In späterer Zeit siedelten hier, wie sonst in Süd- und Südwestdeutschland, die Kelten. Von ihrer Anwesenheit in unserer näheren Umgebung zeugen der Keltenwall und die Anlage eines oppidum (,‚Stadt“), wie man lateinisch diese Siedlung, deren Namen wir nicht kennen, bezeichnet. In der weiteren Umgebung haben wir als Zeugnis für die Anwesenheit der Kelten in unserem Gebiet den alten Namen von Worms, Borbetomagus, der typisch keltisch ist: Barbet oder Borbet ist der Name einer keltischen Göttin, während magus soviel wie Feld bedeutet. Wir dürfen annehmen, dass zur keltischen Zeit wohl auch in oder der unmittelbaren Nähe des heutigen Albisheim eine kleinere Siedlung bestand, die ihre Kultstätte auf der Anhöhe gehabt haben dürfte, auf der sich heute die Kirche erhebt. In Fluss gerieten die Siedlungsverhältnisse im ausgehenden 1.Jahrhundert vor Christi, als germanische Stämme unter ihrem Heerführer Ariovist den Rhein überschritten und begannen, Gallien zu erobern. Im Zuge seines Sieges über die keltischen Häduer im Jahre 61 vor Christi bei Magetobriga, einer bis heute nicht genau lokalisierten Stadt im nördlichen Rhône- oder Doubsgebiet in Frankreich, siedelte er jedenfalls die germanischen Stämme der Triboker im Elsass an, die Nemeter um Speyer und die Vangionen bei Worms. Der Name Wonnegau, eigentlich Wangionengau, erinnert bis heute an sie. Sollte sich in Albisheim nun ein keltischer Ort befunden haben, so dürfen wir uns ihn jetzt ruhig von Vangionen besiedelt denken. Die Eroberung Germaniens und die Vorgänge um Ariovist können in den berühmten Tagebuchaufzeichnungen des Gaius Julius Caesar (* 13. 7. 100, † 15. 3. 44 v. Chr.), „Der gallische Krieg“ nachgelesen werden. Im Jahre 58 jedenfalls wird Ariovist von Caesar im Oberelsass geschlagen und zieht sich über den Rhein zurück. Bald darauf stirbt er.

Mit der nun eingeleiteten Eroberung Germaniens durch die Römer, - Caesar selbst hat zwei Vorstöße über den Rhein gemacht -‚ sehen wir nun Römer bzw. eine römisch-germanische Mischbevölkerung in unserer Heimat. Denn die Ablösung darf man sich nicht so vorstellen, als ob die vorhandene Bevölkerung gänzlich vertrieben worden wäre. So müssen wir auch noch mit keltischen Elementen rechnen. Die Existenz der Römer nun ist in unserem Gebiet und auch Dorf durch Funde gut bezeugt. Typisch für die archäologische Hinterlassenschaft der Römer sind ihre keramischen Produkte an Gebrauchsgeschirr aus rotem Ton mit figürlichen Reliefs mit dem eingeprägten Herstellerzeichen, weshalb man sie terra sigillata, ‘gesiegelte Erde‘, nennt, sowie Steinsarkophage, in denen in nachchristlicher Zeit Bestattungen stattgefunden haben. Erst kürzlich ist in Harxheim ein solcher Sarkophag bei Ausschachtungsarbeiten geborgen worden.

Die Franken wanderten in unser Gebiet um 500 ein. Sie waren aus ihrer nördlichen Heimat aufgebrochen und dehnten sich rheinaufwärts und im Westen immer weiter aus. Die genaueren Vorgänge dieser Landnahme interessiert uns in unserem Zusammenhang wenig. Wichtig für uns ist der Brauch der Merowingerkönige, die ihr Geschlecht auf einen König Merowech zurückführen, und zum einflussreichsten Geschlecht der Franken avancierten, ihren Gefolgsmannen Ländereien zur Bewirtschaftung zu übergeben. Dort wurde dann ein Gutshof errichtet und entweder durch die Hörigen bebaut, oder - so in späteren Zeiten - an freie Bauern zur Bewirtschaftung freigegeben, die dafür dem Herrn Hand- und Spanndienste leisten mussten. In der Regel bekam ein solches Gut den Namen des Besitzers, also etwa ‘Gut des N.‘. Das Wort ‘Gut‘ hieß, da man damals noch die lateinische Sprache für offizielle Dokumente gebrauchte, ‘villa‘; man verstand also etwas anderes darunter als heute, obwohl es auch da ursprünglich noch seinen Bezug zum Land zeigt, da es ‘Landhaus‘ bedeutet. Der Begriff ‘villa‘ wiederum wurde dann in ältesten deutschsprachigen Urkunden mit ‘Heim‘ wiedergegeben. Obwohl wir heute wissen, dass die Faustregel, alle Ortsnamen auf -heim gehören in die fränkische Zeit, nicht stimmt, da später oft Orte im Anschluss an fränkische Gepflogenheiten oder im Analogieverfahren das fränkische
-heim bekamen, dürfen wir für Albisheim feststellen, dass der uns zuerst überlieferte Name ‘Albulfivilla‘ wirklich fränkischen Ursprungs ist. Albisheim bedeutet also ursprünglich ‘Gut des Albwulf‘, ein fränkischer Männername, der in seinem zweiten Bestandteil -wulf uns heute durch die Vornamen Wolfgang, Wulf oder Ulf bekannt ist. Die fränkische Namensgebung bedeutet allerdings noch nicht, dass damit auch der Ort erst fränkischen Ursprungs ist; vermutlich war die Umgebung vorher schon besiedelt, wie ich oben andeutete, aber Sicheres lässt sich nicht sagen, und die Unkenntnis über einen früheren Ortsname beweist nichts hinsichtlich des Alters unseres Dorfes.

Wann in Albisheim die erste Kirche entstanden ist, liegt im Dunkeln. Auf jeden Fall wird eine Kirche in der Urkunde von 835 erwähnt, von wo aus wir schließen dürfen, dass die Christianisierung unseres Gebietes zu dieser Zeit als abgeschlossen gelten muss. Dies bezeugen auch andere Hinweise, so z.B. die schon bestehende Kapelle des Philipp zu Zell, und die Funde des fränkischen Frauengrabes aus dem 7.Jahrhundert, das 1965 bei Ausschachtungsarbeiten für die Heizungsanlage in der Südostecke der Kirche gefunden wurde. Neben Funden wie Perlen, Knochenkamm, Gürtelschnalle und Riemenzungen, sowie Scheibenfibel, trug die Verstorbene ein Kollier aus bronzenen Amuletten, die byzantinischen Einfluss verraten. Man bekannte sich also - wie in Byzanz - zu dem Gott, den Jesus Vater nannte, verzichtete aber damals noch keineswegs auf dämonenabwehrende Talismane, ein Zeichen, dass der Glaube sich noch in einer Ablösephase befand. Germanisch-heidnisches und Christliches begannen miteinander zu verschmelzen. Wir wissen auch nicht, wann in unserem Gebiete das Christentum Eingang fand. Für Worms ist jedenfalls schon 346 n. Chr. ein Bischof Viktor bezeugt und Brotstempel aus Eisenberg, die zur Herstellung des eucharistischen Brotes (Abendmahlsbrot) Verwendung fanden, weisen auf den christlichen Gottesdienst in unserer Heimat hin. Sicher ist jedenfalls, dass, nachdem der Merowinger Chlodwig 1. (* 466 , † 511) nach seiner Hochzeit mit der burgundischen Königstochter Chrodegilde im Jahr 493 n. Chr. zum Christentum übergetreten war, eine allmähliche Christianisierung der Franken eintrat. Wir stehen somit nun am Vorabend, an dem Albisheim in das Licht der Geschichte tritt

Verfasser: Rüdiger Unger, Quelle: Festschrift anl. der 1150 Jahr-Feier der Gemeinde Albisheim, 1985.
Digitalisiert und überarbeitet: Rainer Schroedel