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Vom 9. Jahrhundert bis zur Reformation

Die weitere Entwicklung den Geschichte von Dorf und Kirche ist gepr├Ągt von dem Stil mittelalterlicher Verwaltungsgepflogenheiten der Belehnungen und der sich daraus ergebenden Folgen. Durch weitere Belehnungen mit bereits belehntem Gut, sog. Afterlehen, wird immer undeutlicher, wer nun eigentlich in Albisheim das Sagen hatte. Es ging bei diesen Vorg├Ąngen auch nicht um die Menschen, die hier lebten, und die, je nach dem Besitzer des Gutes, auf dem sie gerade arbeiteten, verschiedenen Herrschaften angeh├Ârten, als vielmehr um den Wirtschaftsfaktor, der sich in den ├╝ber die Belehnungen ausgefertigten Urkunden immer kr├Ąftiger spiegelte.

Die erste Dokumentation, die uns ├╝ber diese Vorg├Ąnge in Albisheim unterrichtet, f├╝hrt uns noch einmal in‘s Kloster Pr├╝m. Dort wurde im Jahre 893 ein G├╝terverzeichnis angelegt, zu dem es vermutlich zwei Gr├╝nde gab, die miteinander in der einschl├Ągigen Literatur konkurrieren: der eine ist eine Neuaufzeichnung als Folge der Ver├Ąnderungen, die durch die Normanneneinf├Ąlle n├Âtig geworden war, der andere ist die Annahme einer von den Normanneneinf├Ąllen unabh├Ąngige Neuordnung des Besitzwesen und der Abgabeordnung. Dieses G├╝terverzeichnis oder Urbar ist uns in einer Abschrift des ehemaligen Abtes Caesarius von Milendonk aus dem Jahre 1222 erhalten. Er war in den Jahren 1212 - 1215 Abt in Pr├╝m, danach hatte er aus unbekannten Gr├╝nden sein Amt niedergelegt und sich in das Kloster Heisterbach zur├╝ckgezogen. Er darf aber nicht, wie dies oft geschehen ist, mit dem ber├╝hmten Caesarius von Heisterbach verwechselt wenden, der ein Zeitgenosse von ihm ist. Wichtiger f├╝r uns als die Abschrift selbst, ist der Kommentar des Caesarius, da er uns ├╝ber die G├╝ter, die das Kloster von Ludwig dem Frommen geschenkt bekam, unterrichtet.
Aus dem G├╝terverzeichnis selbst ist zun├Ąchst zu ersehen, dass im Jahre 893 und danach, das Kloster 17 und 2 halbe mansa ledilia besitzt, dazu noch 13 mansa servilia. Unter den mansa haben wir die Hufen zu verstehen. Als Halbhufe bezeichnete man ein St├╝ck Land, das 6 Morgen Ackerland oder weniger umfasste. Unter mansa ledilia haben wir nun einen Wirtschaftsausdruck des Mittelalters vor uns. Er wird erkl├Ąrt als „G├╝ter, die viele Vorteile f├╝r die Besitzer bringen, aber keineswegs zu dauernder Abgabe verpflichtet sind“, w├Ąhrend man unter der mansa servilia G├╝ter zu verstehen hat, „die Sklaven und freie Bauern bestellen, damit der Zins und andere Abgaben, die dem Besitzer Vorteil bringen, erbracht werden kann“. Diese G├╝ter m├╝ssen dem Kloster Pr├╝m nun die verschiedensten Abgaben ausl├Âsen, z.B. Hemdenstoff, Schweine, H├Ąmmel, K├╝cken, Eier, „pali ad vennam“, worunter man wohl Reusen f├╝r den Fischfang zu verstehen hat, H├Âlzer f├╝r die Wingert, Brot und Bier sowie Heu. Dabei ist es interessant zu erfahren, dass die Getreideertr├Ąge mit dem Schiff nach Worms gebracht werden sollen. Die Pfrimm war also — im Gegensatz zu heute — f├╝r kleinere K├Ąhne oder Nachen befahrbar. Gleichzeitig erh├Ąlt man durch dieses G├╝terverzeichnis einen Eindruck, wie die Versorgung sichergestellt wurde. Da das Kloster Pr├╝m auch anderw├Ąrts Kapellen und G├╝ter besa├č, wurden nicht alle Abgaben nach dem Mutterkloster gebracht, sondern auch in die Dependencen. So besa├č das Kloster Pr├╝m in Altrip, das in dem Kommentar des Caesarius ausdr├╝cklich als am Rhein in den H├Âhe von
Neckarau gelegen bezeichnet wird, eine Kapelle, die dem St. Medard (gest. um 550) geweiht war. Von jeder Hufe in Albisheim mussten acht Wagenladungen (Fuder) Heu nach Altrip gebracht werden.
Wichtiger noch als diese Bestimmungen sind f├╝r uns in diesem Abschnitt die Besitzverh├Ąltnisse. So erfahren wir durch die Erl├Ąuterungen des Exabtes, da├č die Grafen von Leiningen mit dem Albisheimer Gute des Klosters Pr├╝m belehnt sind. Er schreibt: lus patronatus ecclesiae de aluesheim cum decima comes de Liniggen et advocaciam eiusdem curtis tenet in feodo. Tenet etiam alia bona, d.h.: „Das Patronatsrecht f├╝r die Kirche zu Albisheim mit dem Zehnten hat der Graf von Leiningen und die Vogtei eben dieses Hofgutes zum Lehen. Er besitzt (dort) auch noch andere G├╝ter.“ Aus dem weiteren Kommentar erhellt, dass Werner II. von Bolanden von den Leiningern mit dem Kirchengut in Albisheim als Afterlehen betraut war.
Um diese Zeit scheint es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Kloster Pr├╝m und dem Kloster Rodenkirchen gekommen zu sein, wie den Kommentar des Caesarius ├╝ber das Dorf Wilre (Weiler), das nicht weit von Albisheim neben Bolanden gelegen ist und unter dem wir Weitersweiler zu verstehen haben, erkennen l├Ąsst. Diese Auseinandersetzungen haben sich wohl an den Besitzverh├Ąltnissen entz├╝ndet. Werner II. von Bolanden und seine Frau Guda von Weisenau haben 1160 das Pr├Ąmonstratenserinnenkloster Rothenkirchen gegr├╝ndet. Um diese Zeit, vielleicht auch ein wenig fr├╝her, ist dort eine „Rote Kirche“ errichtet worden, die ihren Namen wohl von dem roten Sandstein hatte, in dem der Bau ausgef├╝hrt war. Sie war f├╝r die Waldleute errichtet worden, die in dem gro├čen Waldgebiet der Holzmark lebten und ihr Leben als K├Âhler und auf den H├Âfen des Landausbaus fristeten. F├╝r diese kirchliche Versorgung war der Zehnte zu entrichten. Zwischen 1165 und 1182 vertauschten die Pr├Ąmonstratenserinnen ihr Kloster mit dem Kloster Hane, dessen M├Ânche an ihrer Stelle nach Rodenkirchen gingen. Dieser Tausch wurde durch den Mainzer Erzbischof Konrad 1189 best├Ątigt. Vermutlich war nun bei den Klosterleitung Pr├╝m der Verdacht aufgekommen, dass die Bolander ihr Afterlehen bei Albisheim, zur Ausstattung ihres Klosters zur Verf├╝gung stellten. Zwar besa├čen die Bolander, wie Caesarius ausdr├╝cklich bemerkt, noch andere G├╝ter bei Albisheim, aber es d├╝rfte dabei weniger um die Frage des Grund und Bodens gegangen zu sein, als um die Frage nach dem Besetzungsrecht der Pfarrstelle in Albisheim. Nach der Schenkung durch Ludwig den Frommen stand dieses Recht dem Abt des Klosters Pr├╝m zu. Nachdem das Kloster die Grafen von Leiningen mit diesem Gut und der Kirche in Albisheim belehnt hatte, ├╝bten die Leininger den Kirchenpatronat, den sie den Bolandern ├╝bertrugen, als sie ihnen die Kirche und G├╝ter zum Afterlehen gaben. H├Ątten die Bolander nun die Kirche an das Kloster Rodenkirchen abgetreten, so h├Ątte dieses damit das Besetzungsrecht erhalten. Aber Rodenkirchen hatte selbst eigenen Besitz in Albisheim. Dies erhellt aus einem Brief des Wormser Bischofs Konrad von Sternberg (Bischof von 1171 -1192) aus dem Jahre 1190. Da er, soweit festgestellt werden konnte, nicht mehr im Original vorliegt, m├╝ssen wir uns mit einem Exzerpt begn├╝gen, das der lutherische Pfarrer Johann Adam G├╝mbel, der von 1726 bis 1777 Pfarrer in Albisheim war, in seiner Pfarrbeschreibung von 1733 mitteilt. Es hei├čt dort, dass die M├Ânche zu Rodenkirchen mit Zustimmung des Abtes Siegfried von Frankenthal dem Kloster Frankenthal ein Gut in Albisheim abgekauft haben. Vielleicht haben wir hier den Ursprung den Rodenkircher Wiesen zu suchen. Wie die Frankenthaler in den Besitz von Grund und Boden in Albisheim gelangt sind, konnte bis heute nicht gekl├Ąrt werden.

Jedenfalls erfahren wir aus der oben erw├Ąhnten Pfarrbeschreibung, dass Papst Innozens II., den 1198 im Alter von 27 Jahren als 177. Oberhaupt der Kirche den Stuhl Petri bestieg, - was den deutschen Minnes├Ąnger Walther von der Vogelweide (* um 1170, + um 1230) in den ber├╝hmten Reichsspr├╝chen den dritten Spruch, der den kirchlichen Verh├Ąltnissen seiner Zeit gilt, im oben erw├Ąhnten Jahr 1201 mit der Klage schlie├čen l├Ąsst:

owê der bâbest ist ze junc!
hilf, hêrre, dîner kristenheit!

eine Pergamenturkunde ausstellen lie├č, in der er die Verleihung von Albisheim an Eberhard von Bolanden durch den Erzbischof von Mainz best├Ątigt.

Im Jahre 1207 nun, so Pfarrer G├╝mbel in seiner Beschreibung, best├Ątigt Werner III. von Bolanden, dass er das Patronatsrecht an der Kirche zu Albisheim, das er als Lehen von den Leiningern erhalten hatte, mit deren Zustimmung dem Kloster Rodenkirchen ├╝bertragen hat. Seit 1207 also war ein Rodenkircher Conventuale Pfarrer in Albisheim, bzw. wurde die Pfarrstelle von Rodenkirchen aus besetzt. 1231 endlich gab Simon Graf zu Leiningen die Kirche und die dazugeh├Ârenden Rechte und G├╝ter dem Abt von Pr├╝m, als dem obersten Lehensherrn zur├╝ck, damit dem Abte von Pr├╝m Gelegenheit gegeben war, diese G├╝ter an Rodenkirchen durch Schenkung zu ├╝bergeben und zu ├╝bertragen. Im gleichen Jahr ├╝bergibt nun Abt Friedrich von Pr├╝m das Kirchengut zu Albisheim und Gauersheim mit einem Grundst├╝ck, das der M├╝hlenacker genannt wird, zum Besitz dem Kloster Rodenkirchen, das nun alle Rechte und Pflichten an der Kirche zu Albisheim aus├╝bt. Der M├╝hlenacker geh├Ârt zur Pfortm├╝hle, die f├╝r die M├Ânche mahlte. Im Jahre 1259 best├Ątigt und bekr├Ąftigt Erzbischof Gerhard von Mainz, dass die ├ťbergabe an Rodenkirchen rechtens ist, und dass das Kloster die Pfarr von Albisheim und Gauersheim besorgt. Diese ├ťbertragung an Rodenkirchen bedeutet nicht, dass die Abtei Pr├╝m nun keine Besitzt├╝mer und damit Rechte in Albisheim gehabt h├Ątte. Aus verschiedenen Urkunden k├Ânnen wir sehen, dass der Abt von Pr├╝m bis in‘s 18.Jahrhundert hinein testiert. Das ganze Hin und Her in den Besitzungen soll nun kurz an Hand von Urkunden aufgezeigt werden.

Bereits 1282 war eine Nebenlinie der Bolander erloschen. Die Witwe Philipps von Bolanden, Lukarde leitet, wie wir dem Otterberger Urkundenbuch entnehmen k├Ânnen, neue Besitzverh├Ąltnisse ein. So verpf├Ąndet sie am 2. November 1282 zusammen mit ihren S├Âhnen Philipp und Johannes eine Korng├╝lte an den Ritter Herdegen von Offenheim. Im folgenden sind dann ihre Schwiegers├Âhne Heinrich von Sponheim (Ehefrau Kunigunde) und Albrecht von L├Âwenstein (Ehefrau Lukarde) an mehreren Rechtsgesch├Ąften beteiligt, die das Kloster Otterberg in den Besitz von G├╝tern in Albisheim setzen. Der Abt von Pr├╝m ist in der Mehrzahl der Urkunden als Zeuge mit angegeben. In verschiedenen Urkunden, deren Inhalt den Rahmen dieses Abrisses sprengen w├╝rden, wird dabei G├╝tern des Klosters Otterberg Befreiung vom Zehnten gew├Ąhrt. Als Beispiel einer solchen Urkunde der Bolander im Otterberger Urkundenbuch sei die erste bekannt gewordene deutsche Urkunde, die unser Dorf betrifft, angef├╝hrt. Sie datiert vom 4. Juli 1291:

Ich Philippes, der herre von Bolanden, vnde des riches trossheisze (= Truchse├č), veriehen mich an dysem gewenwortigen brieve daz ich bit (= mit) gudem willen, greven (= Graf) Heinrich von Spanheim han verhenget sinen zehenden, der er zu Albesheim hatte, des ich sin gemeinder was, zu verkeifene, vnd verzihen an dysem gegenwortigen brieve ich vnde mine erben offe allez daz recht, daz ich vnde mine erben an sime deile des vorgenant zehenden hatten oder mochten han. Daz diz stede vnde vnzurbrochen verlibe, des han ich ime (= ihm) vnde sinen erben gegben dysen gegenwortigen brief, besiegelt vnd beste digt bit mime ingesigele. Dirre brief wart gegeben von gots geburthe dusent jar zweihundert jar vnd ein vnd nunzig jar, an sante Vlriches dage.

F├╝r die Geschichte der Kirche ist eine ebenfalls im Otterberger Urkundenbuch erhaltene Abschrift vom 18.Januar 1304 wichtig. Sie zeigt, dass es damals schon Glocken in Albisheim gab. Dies zeigt uns die Bedeutung der Albisheimer Kirche f├╝r ihre Umgebung. In der oben erw├Ąhnten Handschrift hei├čt es unter anderem: ... Rudigerus Campanator conduxit pro religiosis abbate et conventu de Otterburg duos jornales sitos apud ecclesiam in Hornshecken annuatim pro II. maldris silignis, infra assumptionem et nativitatem beate Virginis, quamdiu vixerit, assignandis. Ubersetzt hei├čt dies:
... R├╝diger, der Gl├Âckner, pachtet von den M├Ânchen, Abt und Konvent, von Otterberg zwei Tagewerk, die bei der Kirche an den Hornshecken gelegen sind, um j├Ąhrlich zwei Malter Weizenmehls, die, solange er lebt, zwischen der seligen Jungfrau Himmelfahrt (=Mari├Ą Himmelfahrt, am 15. August) und Geburt (Mari├Ą Geburt, am 8. September) zu entrichten sind. Au├čer, dass es damals bereits einen Gl├Âckner f├╝r die Kirche gegeben hat, woraus man schlie├čen darf, dass unsere Kirche, wie oben angedeutet ├╝ber Glocken verf├╝gte, erfahren wir dass die Kirche selbst am Horn gelegen war, wo sie ja auch heute noch steht.

Aus dieser oder noch etwas ├Ąlterer Zeit stammt das Untergescho├č des Kirchturms, wie der Mauerverband zeigt. Vermutlich ist, wenn es sich nicht um eine Beif├╝gung zum alten karolingischen Kirchengeb├Ąude handelt, im 13.Jahrhundert die Kirche erneuert worden. Im Jahre 1325 h├Âren wir noch einmal indirekt von den Glocken zu Albisheim. Das Kloster Otterberg pachtet den Glockenzehnten vom Kloster Rodenkirchen. Die Urkunde beginnt nach den ├╝blichen einleitenden Vorbemerkungen
... tenore presentium publice protestamur, nos decimam in Albisheim villa, quod vulgo dicitur glockenzehende, conduxisse erga religiosos viros. . . abbatem et conventum in Rodenkirchen . . . . pro pensione annua triginta maldrorum silignis Wormatiensis mensure... „aufgrund der gegenw├Ąrtigen Urkunde bezeugen wir ├Âffentlich, dass wir den Zehnten in dem Dorfe Albisheim, gemeinhin der Glockenzehnte genannt, von den M├Ânchen . . .‚ Abt und Konvent in Rodenkirchen . . . . f├╝r einen j├Ąhrlichen Zins von 30 Malter Weizenmehls nach Wormser Ma├č gepachtet haben.“ Im weiteren Fortgang der Urkunde bezeugen der Abt und der Konvent in Rodenkirchen diesen Vorgang und f├╝hren als Sicherheiten und Pfand auf die zu leistende Zahlung der Otterberger M├Ânche folgende G├╝ter an, die den Otterbergern geh├Âren: 3 Morgen am Ymmesheimer Wege, 3 Morgen am Huselreine (Haselrain), 3 Morgen an der Fresten, 3 Morgen an der Kebesche, 4 Morgen am R├╝ssinger Weg, 2 Morgen auf dem ├ťbereck, 2 Morgen am Heselebe oder Heselehe, 4 Morgen oberhalb der Dichhe, 7 Morgen am Girsebuhel (-B├╝hl), 4 Morgen zum Winkel, 4 Morgen am Horn, 2 Morgen unterhalb des Graswegs, 2 Morgen oberhalb des Pfortm├╝hlenweges, 5 Morgen in der Aue, 2 Morgen oberhalb des Zeller Weges. Diese Aufz├Ąhlung gibt reichlich Stoff f├╝r die Gewannamenforschung. Auch in einer Urkunde vom 23. April 1332, in der die G├╝ter in Albisheim erw├Ąhnt sind, werden interessante Gewannamen mitgeteilt, teilweise mit den Namen der P├Ąchter und ihren Berufen. F├╝r unsere Fragestellung gibt sie nur her, dass der Zehnte des Hofes des Abtes von Pr├╝m als auch die ├äcker, welche unter dem Pflug des erw├Ąhnten Hofes ges├Ąt und bebaut werden, St. Goar zehntpflichtig sind. Einen kleinen Einblick in die Volksfr├Âmmigkeit der damaligen Zeit gestattet uns eine Urkunde vom 15. Oktober 1335:

Ich Georie von Albesheim veriehen mich an disem vffin brieve, daz ich den herren von Otterburg han geben ein vnd zwenzig Heller geltes ierlicher gulte, die ich hatde vf irme hove zu Flersheim, vnd han in die geben zu eime rechten selgerede, daz sie mins vatdir vnd minre mutdir, min vnd alle minre altfordern sele gedenkin sollint vmmerme ewiclichin. Vnd ich Philips von Bolanden, vont der genante Georie nit ingesigels hat, so han ich durch sine bede min ingesigel an disen briefgehenkit. Der geben ist, do man schreib anno Domini M.CCC.XXXV XV. kalendas novembris.

Diese Ausf├╝hrungen ├╝ber eine „Seelgerett“-Stiftung liest sich in unserem Deutsch so:

Ich, Georg von Albisheim, bekenne mich in diesem offenen (= ├Âffentlichen) Brief (= Urkunde) dazu, dass ich den Herren zu Otterberg einundzwanzig Heller als j├Ąhrliche G├╝lte, die ich auf ihrem Hof in Fl├Ârsheim hatte, gegeben habe zu einem rechten ‘Seelgerett‘, dass sie meines Vaters und meiner Mutter, meiner und aller meiner Vorfahren Seele gedenken sollen immerdar ewiglich.

Und ich, Philipp von Bolanden, da der genannte Georg kein Eigensiegel hat, so habe ich auf seine Bitte hin mein Eigensiegel an diesen Brief geh├Ąngt, der gegeben ist. da man das Jahr des Herrn 1335 schreibt, am 15. Oktober.

Georg von Albisheim hat also auf eine ihm zustehende G├╝lte verzichtet, damit die M├Ânche in Otterberg seiner, seiner Eltern und Vorfahren Seele gedenken sollen, um den Qualen des Fegefeuers zu entgehen. Wir haben hier einen schwachen Nachhall im Volke von den gro├čen Bem├╝hungen der Karolinger, in unserem Falle also Ludwigs des Frommen und Ludwigs des Deutschen, um die „ewige Seligkeit gl├╝cklich zu erlangen“. Diese Dienste wurden von der Kirche geradezu angeboten, und diejenigen, die es sich erlauben konnten, machten regen Gebrauch davon. Dies hat sich in sp├Ąteren Zeiten verst├Ąrkt, als um 1400 der das Sp├Ątmittelalter bewegende Gedanke an den Tod und seine Folgen verst├Ąrkt Eingang in die Lebenseinsichten der Menschen fand. In der zeitgen├Âssischen Kunst fand der Todesgedanke seinen Ausdruck in den Bildfolgen des sogenannten Totentanzes, der wohl zuerst in Frankreich unter dem Titel der ‘danse macabre‘ entstand. Dargestellt wurden im Totentanz Menschen jeden Alters und Standes, die mit Toten einen Reigen tanzen, von denen sie gepackt und weggerafft werden. Die einzelnen Szenen wurden durch Verse erl├Ąutert, in denen die dem Tod Verfallenen mit ihren Tanzpartnern Zwiesprache halten.

Mit diesen Ausf├╝hrungen sind wir unvermittelt im 15.Jahrhundert angekommen. Dieses Jahrhundert beschert den Albisheimern eine neue Kirche, die um 1450 in sp├Ątgotischem Stile erbaut wurde. Diese Kirche war f├╝r etwa 3 Jahrhunderte das Albisheimer Gotteshaus. Zu ihm geh├Âren wohl die Fundamente, die auf dem Friedhof vom Turm aus ostw├Ąrts sich erstrecken. Sie wurden um die Jahrhundertwende entdeckt, aber arch├Ąologisch nicht ausgewertet. Von diesem Kirchenbau sind erhalten: der Taufstein aus rotem Sandstein, den das Presbyterium 1910 dem Museum in Speyer als Eigentum schenkte und der auf Initiative des Albisheimer Heimat- u. Geschichtsvereins  im Jahre 2005 wieder den Weg zur├╝ck in die Albisheimer Kirche fand, ein Sakramentsh├Ąuschen aus grauem Kalkstein, das in der Kirche bewundert werden kann und eine Halbfigur des Petrus aus rotem Sandstein, der als Schlussstein heute das gotische Tor in der Westwand der Kirche ziert. Er ist dort zusammen mit dem Portal aus der mittelalterlichen Kirche in die heutige 1792 errichtete Kirche eingesetzt worden. Petrus ist der Patron von Kirche und Dorf, wie die ├╝berlieferten Siegeln der Albisheimer Schulthei├čen zeigen. Vermutlich war er schon seit Bestehen eines Kirchengeb├Ąudes der Schutzpatron. Belegt ist dies m. W. zum ersten Mal in einer Urkunde vom 18.Juni 1406, in der mit Zustimmung des Abtes von Rodenkirchen der Edelknecht Konrad von Lutersheim (Lautersheim) und die Kirchengeschworenen eine Priesterpfr├╝nde auf den St. Michaelsaltar der St. Peterskirche zu Albisheim stifteten. Die Halbfigur des Petrus ist eine gute einheimische Steinmetzarbeit. Unterhalb des G├╝rtels, der die Tunkia abschlie├čt, endet das Gewand in einem Wolkenband, das an den Seiten in die ├ärmel des Mantels ├╝bergeht und so harmonisch seine Fortsetzung hat. In der Rechten h├Ąlt er einen Schl├╝ssel, dessen Bart bereits im 18. Jahrhundert nach der Pfarrbeschreibung des Pfarrers G├╝mbel zerst├Ârt war. Das Gesenke und der Ring, der wie die Reste zeigen, als Raute ausgebildet war, die an den Ecken in sich knotenf├Ârmig verschlungen ist, fehlen ebenfalls. Der Schl├╝ssel weist auf die Schriftstelle Matth├Ąus 16, 19 hin, wo Jesus dem Petrus auf sein Bekenntnis hin sagt: „Ich will dir den Schl├╝ssel des Himmelreiches geben.“ In der Linken h├Ąlt er ein Buch, das das Evangelium symbolisiert. Das Gesicht ist dem seit dem 4.Jahrhundert feststehenden Typus f├╝r die Petrusdarstellungen verhaftet. Petrus tr├Ągt einen gelockten Vollbart sowie einen Lockenkranz um das Haupt, der dachartig die Ohren bedeckt. Ansatzweise ist die sp├Ąter st├Ąrker ausgebildete Stirnlocke erkennbar.

Im gro├čen und ganzen ist f├╝r das 15. und 16. Jahrhundert die urkundliche ├ťberlieferung f├╝r unser Dorf und Kirche noch weitgehend unausgesch├Âpft. Hier d├╝rften der k├╝nftigen Forschung noch manche Erkenntnisse vorbehalten sein.

Mit dem 16. Jahrhundert stehen wir am Beginn des Vorabends der Reformation. Im Jahre 1517 pachtete Jakob Linnenfels, ein Altarist des St. Annaaltars zu Kirchheim(bolanden) den St. Nikolausaltar in der Kapelle zu Albisheim. Diese Kapelle, die bis in das 18. Jahrhundert hinein nachweisbar ist, geh├Ârte zu dem Otterberger Klostergut. Sie stand etwa da, wo sich heute das Hebbelsche und das Wohlgemuthsche Anwesen ber├╝hren. Im gleichen Jahr wird auch Johann Hagen (oder Hegen) von (= aus) Wertheim als Kaplan des Liebfrauenaltars in der Peterskirche zu Albisheim eingesetzt. Diese Kaplanei am Liebfrauenalter erhielt zehn Jahre sp├Ąter Johannes Diminckel (nach anderer Lesung J. Drumalern). Der letzte Pfarrer vor der Reformation, der bislang urkundlich nachweisbar ist, ist Emerich Siebenhorn von (= aus) Sobernheim. Er erhielt 1544 den Liebfrauenaltar und die Pfarrei Albisheim vom Abt und Konvent von Rodenkirchen zugewiesen. Ob er die Einf├╝hrung der Reformation in Albisheim erlebt hat, und ob er sein Amt niederlegen musste, muss bis auf weiteres noch offenbleiben, ja ist vielleicht ├╝berhaupt nicht mehr zu ermitteln.

Verfasser: R├╝diger Unger, Quelle: Festschrift anl. der 1150 Jahr-Feier der Gemeinde Albisheim, 1985.
Digitalisiert und ├╝berarbeitet: Rainer Schroedel