Sie befinden sich hier: Ortsgemeinde Albisheim > Geschichte > 8. bis 9. Jahrhundert

Die Urkunde Ludwigs des Frommen

Das Dunkel der Geschichte lichtet sich f├╝r einen Ort immer dann, wenn er durch schriftliche Zeugnisse belegbar wird. F├╝r Albisheim war dies nach unserem Wissens­stand am 25. Mai 835 n. Chr. der Fall. An diesem Tage unterzeichnete Ludwig der Fromme in Albisheim eine Urkunde, die das Kloster Pr├╝m in der Eifel in den Besitz von Land und H├Ârigen bei Albisheim brachte. Bevor wir uns dem Wortlaut der Urkunde zuwenden, wollen wir in kurzen Strichen das Leben Ludwigs des Frommen skizzieren: Ludwig der Fromme ist um das Jahr 778 als Sohn Karls des Gro├čen und seiner zweiten Frau Hildegard geboren. Nach dem Tode Karls am 28. Januar 814 wurde er sein Nach­folger. Nach der Lebensbeschreibung Karls des Gro├čen durch Einhard war er bereits Ende 813 im Beisein der fr├Ąnkischen Gro├čen durch seinen Vater zum Kaiser gekr├Ânt worden. Er war in allem vermutlich genau das Gegenteil seines Vaters: hat sein Vater die alten Lieder und Epen aus der germanischen Vorzeit aufschreiben lassen, so hat Ludwig sie systematisch vernichten lassen. Statt dessen gab er Dichtungen zur Aus­breitung des Christentums und der Belehrung ├╝ber den Glauben in Auftrag. So er­w├Ąchst nach 822 auf niederdeutschem (alts├Ąchsischem) Boden in fast 6000 Ver­sen ein Epos heran, der „Heliand“ (Hei­land), mit dem ein s├Ąchsischer Theologe seine kaum bekehrten Landsleute, die in­nerlich noch dem Heidentum zugeneigt sind, f├╝r die christliche Lehre empf├Ąng­lich machen will, wobei er sich als Stilmit­tel des germanischen Stabreims bedient. 833 n. Chr. wird Ludwig von seinen S├Âhnen als abgesetzt erkl├Ąrt, 834 unter der Mithilfe seines Sohnes Ludwig des Deut­schen wieder eingesetzt. Etwa ein Jahr danach hat er die Urkunde in Albisheim ausgestellt. Er starb am 20. 6. 840 n. Chr. Sein Biograph, der Trierer Chorbischof Thegan(bert) huldigte ihm in seiner Lebens­beschreibung in bewegten Worten. In der Biographie selbst beschreibt er ihn im 19 Kapitel: Er war von Gestalt mittelgro├č, hatte gro├če helle Augen, ein leuchtendes Gesicht, ei­ne gerade lange Nase, Lippen, die weder zu dick noch zu d├╝nn waren, eine starke Brust, breite Schultern, ├Ąu├čerst starke Arme, so dass ihm beim Bogenschie├čen und Speerwurf niemand gleichkommen konnte: er besa├č lange H├Ąnde, gerade Finger, lan­ge und gem├Ą├č dem Normalma├č d├╝nne Beine, lange F├╝├če und eine m├Ąnnliche Stim­me. In der lateinischen und griechischen Sprache war er wohl bewandert, obwohl er das Griechische besser zu verstehen als zu sprechen vermochte; das Lateinische aber konnte er gleichsam wie seine Muttersprache sprechen. Die Heidnischen Dichtungen, welche er in seiner Jugend gelernt hatte, verschm├Ąhte er, wollte sie weder lesen, noch h├Âren, noch lehren.., er war schwer in Zorn, leicht aber in Mitleid zu versetzen. . . In Speise und Trank war er zur├╝ckhaltend, in der Klei­dung bescheiden. Niemals prangte er, wie es seine Vorfahren taten, in goldener Klei­dung, au├čer an den h├Âchsten Festtagen. An solchen Tagen trug er au├čer Hemd und Hosen nichts als mit Gold gewirkten Stoffe, ein goldenes Gewand, einen goldenen G├╝rtel und ein goldgl├Ąnzendes Schwert, goldene Beinschienen und einen mit Gold durchwirkten Mantel; auf dem Haupte trug er eine goldene Krone und in der Hand einen goldenen Stab. Niemals erhob er seine Stimme zum Lachen, und selbst wenn bei den h├Âchsten Festen, zur Freude des Volkes, Schauspieler und Spa├čmacher und Mimen mit Fl├Âtenbl├Ąsern und Zitherspielern bei Tische vor ihm erschienen, und das Volk in seiner Gegenwart ma├čvoll lachte, zeigte er nicht einmal seine wei├čen Z├Ąhne beim Lachen. Diese Ausf├╝hrungen Theganberts wollen uns nicht einen sauert├Âpfischen Kaiser vor­stellen - dies schon um so weniger als der Chorbischof ein gl├╝hender Verehrer Lud­wigs war, sondern er schildert ihn in dem Bilde des fr├╝hchristlichen M├Ânchideals. Dies kommt deutlich zum Ausdruck in der Formulierung, dass der Kaiser „niemals seine Stimme zum Lachen erhob“. Hier gibt es zahlreiche Parallelen in den fr├╝hen M├Ânchsbiographien. Als Beispiel erw├Ąhne ich Ephr├Ąm, den Syrer (+ am 9. Juni 373), ├╝ber den es in einer syrisch ├╝berlieferten Lebensbeschreibung unter anderem hei├čt: sein Gesichtsausdruck war immer traurig und niemals lie├č er sich herbei zu lachen...“ So ist der Kaiser hier in der Tracht des r├Âmischen Legion├Ąrs als ‘miles Christianus‘, als Soldat Christi beschrieben, um seinen Einsatz f├╝r das Christentum zu w├╝rdigen. Er ist in dieser Kleidung in einer Miniatur zu einem Bildgedicht „Das Lob des heiligen Kreuzes“ (de laudibus 5. Crucis) des Hrabanus Maurus um 840 n.Chr. abgebildet. Ludwig der Fromme erscheint hier als Soldat f├╝r das Kreuz aus­gestattet. Als Politiker besa├č er wohl kaum die F├Ąhigkeiten noch die Begabung seines Vaters. Dies h├Ąngt vielleicht mit seiner Erziehung zusammen, die ihn eigentlich f├╝r das geist­liche Amt vorsah, aber durch den Tod seiner Br├╝der wurde er auf den Thron gerufen. Er hat jedenfalls das Auseinanderbrechen des gewaltigen Reiches Karls des Gro├čen mit in die Wege geleitet, zum einen durch ungeschicktes Vorgehen beim Aufteilen des Erbes, zum anderen, weil er das Besitztum, das karolingische Reichsgut immer weiter schm├Ąlerte. So begn├╝gte er sich nicht mehr damit die Kl├Âstern — wie es sein Vater und Gro├čvater getan haben —‚ zu belehnen, sondern schenkte ihnen in immer st├Ąrkeren Ma├če das Reichsgut. Dass sich dieses — und damit die wirtschaftliche Macht — immer mehr verringerte versteht sich von selbst. Den Beinamen ‘der Fromme‘ erhielt er wegen seines bestimmten Einsatzes f├╝r die Kirche und das Christentum durch Mis­sionsschriften, aber auch, weil er das Verm├Âgen der Kl├Âster und Kirchen vermehrte. Auf diesem Hintergrund ist auch die Urkunde, in der unser Dorf erw├Ąhnt ist, zu sehen. Sie lautet nach der Aufschl├╝sselung der in den Urkunden ├╝blichen K├╝rzel in lateinischer Sprache: Leider ist diese Urkunde nicht im Original enthalten. Sie findet sich in einer Urkun­densammlung des Klosters Pr├╝m, dem sogenannten „Goldenen Buch“, die im 10. Jahrhundert n. Chr. angefertigt wurde. Diese Sammlung wird heute in Trier aufbe­wahrt. Wenn wir uns nun dem Inhalt dieser f├╝r unser Dorf so wichtigen Urkunde zu­wenden, so wollen wir auch nur diejenigen Linien herausarbeiten, die zum Verst├Ąnd­nis n├Âtig sind. Nach seinen eigenen Worten hat Ludwig der Fromme aus zweifachem Anlass diese Schenkung vollzogen: zum einen, um akute Notst├Ąnde des Klosters zu lindern, zum anderen, um mit einem guten Werk Anerkennung bei Gott zu finden, damit er die ewige Seligkeit gl├╝cklich erlangen kann. Dies glaubte er wohl um so n├Âtiger tun zu m├╝ssen, als er ausdr├╝cklich darauf hinweist, dass er nur, weil er die Gnade Gottes wie­der erlangt hat, Kaiser ist. Er spielt damit auf seine Wiedereinsetzung als Kaiser im Jahre 834 an. Zu dem materiellen Wert muss man sagen, dass er K├Ânigsg├╝ter ver­schenkte, d.h. einen Gutshof mit dem dazu geh├Ârenden Land und den H├Ârigen, die dieses Gut bestellen. Erst in sp├Ąterer Zeit wird das Wort „Hof“ oder „Hube“ als Bezeich­nung eines Ackerma├čes ├╝blich. Auf jedem Hof oder Hube sa├č eine Familie. Jeder Hof war so gro├č bemessen, dass eine Familie davon leben und sogar noch den Abgaben an den Grundbesitzer nachkommen konnte. Beda Venerabilis (* 672/73 +735) erkl├Ąrt ausdr├╝cklich, dass eine Hufe ein St├╝ck Acker f├╝r eine Familie ist. In sp├Ą­terer Zeit belief sich die Gr├Â├če einer solchen Hufe auf etwa 12 -14 ha. Selbstverst├Ąnd­lich wurden damaligen Brauch und Rechtsempfinden nach, die H├Ârigen wie Gegen­st├Ąnde mitverschenkt. Da sie dadurch aber ihre Arbeit gesichert hatten, zumal auch f├╝r sie zu freiem Gebrauch Land zur Verf├╝gung stand, waren sie mit ihrem Los zufrie­den. Daher blieben sie, wenn sie freigelassen wurden, auf dem Gut, auf dem sie vorher als H├Ârige gearbeitet haben, um dort nun als freie Bauern ihr Leben zu f├╝hren. Da Ludwig der Fromme ausdr├╝cklich betont, dass er alle Rechte an das Kloster abtritt, hat dies auch f├╝r die erw├Ąhnte Kirche ihre Folgen. Da nach fr├Ąnkischem Recht die Kir­chen Eigenkirchen waren, d.h. der Besitzer des Landes auf dem die Kirche stand, ├╝bte zugleich das Patronatsrecht und bestellte damit den Pfarrer. Selbstverst├Ąndlich geh├Âr­ten hier auch die Abgaben, die Zehnten, dazu, die die Kirche zu beanspruchen hatte. Wie die Kirche aussah, ob sie aus Stein oder Holz errichtet war, wissen wir nicht. Da es sich aber wohl um die einzige Kirche in den drei erw├Ąhnten Ortschaften handelt und sie zum K├Ânigsgut mit dazu geh├Ârte, k├Ânnen wir sie uns wohl als ein aus Steinen auf­gef├╝hrtes Bauwerk denken. Der Name ‘Basilika‘ bedeutet hier nicht, dass eine gr├Â├čere Anlage oder gar eine besonders ausgezeichnete Kirche vorhanden war, sondern be­zeichnet hier wohl nur die Eigenkirche des fr├Ąnkischen K├Ânigs bzw. Kaisers. ├ähnlich steht es mit dem erw├Ąhnten ‘palacium regium‘, das ich mit ‘k├Âniglicher Woh­nung‘ ├╝bersetzte. Zweifellos bestand in Albisheim karolingisches Reichsgut, war eine k├Ânigliche Dom├Ąne vorhanden. Diese Gutsh├Âfe wurden als villa, fiscus, oder auch palatium bezeichnet. Selbstverst├Ąndlich stand in unserem Dorf keine der gro├čen Kai­serpfalzen wie Ingelheim am Rhein, Thionville (Diedenhofen) oder Frankfurt am Main und Worms. Wir w├Ąren dann in dem offiziellen Verzeichnis der G├╝ter erfasst. Da aber der fr├Ąnkische K├Ânig auf seinen Reisen durch sein Land auch seine G├╝ter in­spizierte und dort auch ├╝bernachtete, besa├č er in jenen kleinen G├╝tern R├Ąume, die ihm bei einem Aufenthalt zur Verf├╝gung standen. Diese R├Ąume wurden ebenfalls als palatium bezeichnet. Die deutsche Entsprechung des palatium regium ist fr├┤nhof oder Herrenhof. Er bestand in der Regel aus einem steinernen Hauptgeb├Ąude f├╝r die Verwaltung und den Aufenthalt des K├Ânigs sowie verschiedenen Nebengeb├Ąuden aus Holz. Die ganze Anlage war mit einem „tunnus“, Zaun umgeben. Der Fronhof lag nun wohl da, wo sich Schulstra├če und Alleestra├če heute kreuzen, auf dem Gebiet der Familie Arndt und von Herrn Wasem. Seine Reste sollen noch 1765 durch eine Kommission der Akademie von Heidelberg besichtigt worden sein. Heute jedoch sind die Reste g├Ąnzlich geschwunden, die schon zu Beginn des letzten Jahr­hunderts der Spitzhacke zum Opfer gefallen sein d├╝rften. Ludwig der Deutsche und seine Schenkungen Der Sohn Ludwigs des Frommen, K├Ânig Ludwig der Deutsche hat nach der Reichstei­lung unter den S├Âhnen Ludwigs des Frommen, das Ostfrankenreich mit der Hauptstadt Regensburg erhalten. Anders als sein Vater war er ein klug abw├Ągender Politiker, der seine Besitzungen dennoch fast sein ganzes Leben lang mit Waffengewalt verteidigen musste. Er hatte viel von seinem Gro├čvater Karl dem Gro├čen, und mit der ihm eige­nen Tatkraft gelang es ihm, seine Stellung zu halten, ja sogar auszubauen. Gegen├╝ber der Zeit seines Vaters hat sich kirchlicherseits einiges ge├Ąndert. Ludwig der Deutsche musste keine Auftragsarbeiten zur Missionierung seiner germanischen Un­tertanen bestellen, sondern unter ihm, der sich auf fr├Ąnkische Stammlande berufen konnte, wurden die Franken als die St├╝tzen des Christentums besungen und man ver­suchte sie auf diese Art und Weise fest f├╝r die Dienste der Kirche zu gewinnen. So hat Otfried von Wei├čenburg (im Elsass) um 860 versucht, die Geschichten um Jesus in einer Evangelienharmonie darzustellen. Er widmete dieses Werk Ludwig dem Deut­schen. Otfried ist damit der erste Dichter deutscher Sprache, der uns dem Namen nach bekannt ist. Er war zehn Jahre lang Sch├╝ler des ber├╝hmten Abtes von Fulda, Hrabanus Maurus (*um 776 in Mainz, + 04. 02. 856, seit 847 Erzbischof von Mainz). Das Evangelienbuch, das er wohl zwischen 850 und 860 verfasste, zeigt zum ersten Mal in der deutschen Dichtung den Endreim, der sich bei aller deutschen Dichtung bis ins 13. Jahrhundert durchh├Ąlt. Aus seinem Werk sei nun die Widmung an Ludwig den Deutschen hier vorgestellt: 

L├╗douuig ther snello                                    
thes uuisduames follo             
er ├┤starr├«chi rihtit al,                                
s├┤ Frank├┤no kuning scal.              
Vbar Frank├┤no lant             
s├┤ gengit ellu s├«n giuualt             
thaz rihtit, so ih thir zellu,                           
thiu s├«n giuualt ellu. 

Diese vier Verse hei├čen in unserem Deutsch:                         
Ludwig der Starke,                             
der Weisheit voll,             
er beherrscht das ganze Ostreich,                    
wie es der Franken K├Ânig soll.             
├ťber der Franken Land                           
geht all seine Macht,             
das, wie ich dir erz├Ąhle,                                 
all seine Macht beherrscht. 

Dieser hier so gepriesene Ludwig besa├č auch nach der Schenkung an das Kloster Pr├╝m durch seinen Vater beachtliche G├╝ter in Albisheim. So konnte auch er dem Klo­ster St. Cyriakus in Worms-Neuhausen eine Schenkung vermachen. In der Sammel­urkunde, in der verschiedene G├╝ter fiir Neuhausen genannt sind, hei├čt es an zweiter Stelle: in marcha vel villa Albolfesheim Aream I & Jornales XI. Diese kurze Notiz hei├čt auf Deutsch: in der Gemarkung und dem Dorfe Albisheim eine Tenne und 11 Tagwerk. Diese Urkunde, die in Frankfurt am Main ausgestellt ist, datiert vom 24. 6. 869. Eine andere Urkunde, deren Verlust f├╝r Albisheim schmerzlich ist, setzte unser Dorf in den Besitz von 998,75 Morgen Wald am Donnersberg und von 80 und 2/4 Morgen und 12 Ruten Weideland zwischen dem Heyerhof und Albisheim. Diese Schenkung stellte einen wichtigen Wirtschaftsfaktor da. Nicht allein wegen des Holzes oder des Wildbestandes, sondern wegen der Fr├╝chte, die der Wald lieferte und zu denen im Mittelalter auch die Bucheckern zu rechnen sind. Aus ihnen gewann man, wie in den Mittelmeerl├Ąndern aus der Olive, ├ľl. Desgleichen dienten die Bucheckern wie die Eicheln zur Schweinemast, da man die Hausschweine damals im Wald auf die Weide trieb. W├Ąhrend die Weide in der napoleonischen Zeit verloren ging, da man mit ihr Kriegslasten abgalt, ist der Wald heute noch in unserem Besitz, wenn gleich auch in geschm├Ąlertem Umfang. Die Streitigkeiten, die Albisheim mit Dannenfels zun├Ąchst bis 1507 f├╝hrte, und die dann in den folgenden Jahrhunderten immer wieder aufflackerten, hatten zu Verlusten gef├╝hrt. Diese Schenkung aber bescherte uns ein Fest, das wir seit 1222 j├Ąhrlich begehen. Ur­spr├╝nglich war es auf Montag nach Gallentag, dem 16. Oktober festgesetzt, aber in der franz├Âsischen Herrschaft zusammen mit dem Albisheimer Markt auf den 3. Sonntag im September gelegt: das K├Ânigsfest. Es wurde nach einer alten Notiz im Kompetenzbuch der nassau-weilburgischen Herrschaft aus dem Jahre 1657 im Jahre 1222 gestif­tet. Zu dieser Zeit soll das Haupt K├Ânig Ludwigs aus seinem Bestattungsort in der Gruft des St. Nazariusklosters in Lorsch in einem h├Âlzernen Reliquiar in die Peterskir­che zu Albisheim verbracht worden sein. Unsere Altvorderen erinnerten sich, dass dieser K├Ânig des ├ľfteren im Wormsgau sich aufgehalten hatte und bei einer dieser Gelegenheiten das Dorf in Besitz von Wald und Weide brachte. Sie bestimmten nun, dass an eben dem erw├Ąhnten Montag auf den St. Gallustag, die sechs Me├čpriester der Kirche einen Ged├Ąchtnis-Gottesdienst zu halten haben, bei dem sie des Lebens und der Wohltaten Ludwigs gedenken sollen. Sp├Ąter, in protestantischer Zeit, kamen die n├Ąchstgesessenen 6 Pfarrer zusammen, um diesen Gottesdienst zu gestalten. Heute wird er von Ortspfarrer allein gehalten. In seinem Mittelpunkt steht die sogenannte K├Ânigspredigt. Am Schlusse der Messe gab es eine Speisung, von der die K├Ânigswecke (Buweschenkel) Zeugnis ablegen, die heute noch jeder Gottesdienstbesucher erh├Ąlt. Wir wollen diesen Abschnitt abschlie├čen mit einem kurzen Lebenslauf Ludwigs, ├Ąhn­lich dem, der im Gottesdienst verlesen wird: K├Ânig Ludwig der Deutsche ist um das Jahr 806 als 3. Sohn Ludwigs des Frommen und dessen erster Ehefrau Irmingard geboren. Beim Reichsteilungsplan seines Vaters im Jahre 817 n. Chr., der Ludwigs Bruder Lothar die Kaiserw├╝rde sicherte, bekam er als 11-j├Ąhriger das K├Ânigtum Bayern mit der Hauptstadt Regensburg zugewiesen. Im Jahr darauf starb seine Mutter Irmingard und sein Vater heiratete Judith, eine Tochter des Herzogs Hwelf aus vornehmer bayrischer Familie, die durch ihre Mutter Eigilwi ei­nem vornehmen s├Ąchsischen Geschlechte angeh├Ârte und machte sie zur K├Ânigin, wie der Biograph Ludwig des Frommen, der Trierer Chorbischof Thegan bemerkt, und er f├╝gt nicht ohne Pfiffigkeit hinzu, „denn sie war sehr sch├Ân“. Eine Schwester dieser Ju­deith namens Emma ehelichte Ludwig der Deutsche und trat im gleichen Jahr (823 n. Chr.) seine Herrschaft ├╝ber die Bayernlande an. Da der urspr├╝ngliche Reichsteilungs­plan von 817 von der Einheit des gesamten Reiches ausging, der aber 829 zugunsten des Halbbruders (aus der 2. Ehe) Karl, nachmals der Kahle genannt, umgesto├čen wer­den sollte, beteiligte sich Ludwig mit seinen Br├╝dern Lothar und Pippin 833 an einem Aufstand gegen den Vater, der seines Amtes als Kaiser enthoben wurde. Aber bereits 834 wandte er sich mit Pippin gegen den ├Ąltesten Bruder Lothar, der die faktische Oberherrschaft ├╝ber die Br├╝der aus├╝ben wollte und wirkte bei der Wiedereinsetzung seines Vaters als Kaiser mit. Als aber Ludwig der Fromme z├Ąh an seiner Absicht festhaltend, wobei seine Frau Judith nicht unerheblich f├╝r ihren Sohn Karl intrigierte, sei­nen j├╝ngsten Sohn Karl den Kahlen angemessen auszustatten, Ludwig alle Gebiete rechts des Rheines au├čer Bayern absprach, griff er erneut gegen den Vater zu den Waf­fen, vermochte aber seine Anspr├╝che nicht durchzusetzen. Nach dem Tode Ludwigs des Frommen im Jahre 840 n. Chr., brach der Bruderkrieg offen und in aller H├Ąrte aus. Ludwig der Deutsche schlug zusammen mit seinem Halbbruder Karl dem Kahlen 841 bei Fontenay seinen Bruder Lothar, der dem Vater auf den Kaiserthron gefolgt war. Das B├╝ndnis mit seinem Halbbruder Karl best├Ątigte er durch die Stra├čburger Eide von 842 und erhielt schlie├člich im Vertrag von Verdun 843 das rechtsrheinische Germanien ohne Friesland, aber mit den linksrheinischen Di├Âzesen Mainz, Worms und Speyer. Das ihm von seinem Vater zugewiesene Bayern blieb auch nach dem Ver­trag von Verdun das Kernland seiner Herrschaft. Durch die ihn bedrohende Entste­hung des M├Ąhrischen Reiches an seiner Ortsgrenze war Ludwig dort stark gebunden. Und doch war auch eine nach Westen gerichtete Politik f├╝r ihn lebensnotwendig. Dass er dies erkannte, ist ein Zeugnis f├╝r seine F├Ąhigkeit als Politiker und Staatsmann, und so beweisen, trotz der Auseinandersetzungen im Osten bis zum Jahre 870, seine h├Ąufi­gen Aufenthalte in Mainz und Worms, wie wichtig er die Westgrenzen seines Reiches hielt und ihn die Vorg├Ąnge dort interessierten und welches Augenmerk er auf sie rich­tete. Er w├Ąre sonst in eine aussichtslose Verteidigungsposition durch das m├Ąchtige Reich seines Halbbruders Karls des Kahlen gedr├Ąngt worden. Als dieser sich anschick­te, seinen Einfluss auszuweiten, zwang ihn Ludwig der Deutsche, unterst├╝tzt vom Adel, zu einem neuen Vertrag, der 870 in Mersen geschlossen wurde. Obwohl Ludwig zweimal Initiator von Vertr├Ągen war und seine Position zu halten vermochte, konnte er nicht verhindern, dass Karl der Kahle sich am 25. Dezember, am ersten Weih­nachtstage also, im Jahre 875 in Rom durch Papst Johannes VIII. (Papst von 872 bis zu seinem Tode am 16. 12. 882; von Verwandten erschlagen) zum Kaiser kr├Ânen lie├č. Ludwig der Deutsche starb, kurz bevor seine S├Âhne, unter die er sein Reich aufgeteilt hatte, gegen Karl nach Italien zu Felde zogen, am 28. August 876 in der K├Ânigspfalz zu Frankfurt am Main und wurde bereits einen Tag sp├Ąter in dem St. Nazariuskloster zu Lorsch an der Bergstra├če beigesetzt.

Verfasser: R├╝diger Unger, Quelle: Festschrift anl. der 1150 Jahr-Feier der Gemeinde Albisheim, 1985.
Digitalisiert und ├╝berarbeitet: Rainer Schroedel