Inzwischen hatten sich in den letzten drei Jahrhunderten die Besitzverhältnisse geändert, da die Leininger ihren Anteil an den Besitzungen durch Verpfändungen und Verkäufe in andere Hände gaben. So waren zum Beispiel die Ritter von Einselthum seit dem Ende des 14. Jahrhunderts in Albisheim begütert. Nur so ist es zu verstehen, dass das Edelfräulein Dorothea von Einselthum ein „Seelgerett“ für ihre Eltern stiftete. Jedenfalls gelangten die Grafen von Nassau-Saarbrücken und in ihrem Gefolge, die Grafen von Nassau-Weilburg in den Besitz von Gütern und der Kirche zu Albisheim, ein Vorgang, der erst 1613 abgeschlossen wurde.
Zu Beginn der Reformation residierte in Kirchheimbolanden, zu dessen Herrschaft Albisheim gehörte, Graf Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken. Er war kein Anhänger der neuen Lehre, blieb der katholischen Kirche treu und wachte darüber, dass seine Untertanen nicht von der lutherischen oder evangelischen Sekte beunruhigt wurden. So nahm er auch weder am Reichstag in Worms 1521 noch an den beiden Nürnberger Reichstagen von 1523 und 1524 teil. Sein jüngster Sohn, Adolf, der 1544 Kirchheim, Stauf und die saarbrückischen Anteile an Falkenstein, Wöllstein und Altenbamberg erhalten hatte, machte im gleichen Jahr Kirchheim zu seiner Residenz und übernahm nach einem seit 20 Jahren bestehenden Beschluss gemeinsam mit seinem Vetter Philipp von Nassau-Weilburg die Herrschaft. Unter diesen beiden Grafen fand die neue Lehre Dr. Martin Luthers Eingang in dem Kirchheimer Lande und damit auch in Albisheim. Zwar blieb Graf Adolf noch längere Zeit der alten Kirche treu, aber er unternahm nichts gegen die neue Lehre in seinem Land, ja er verbot nicht einmal die evangelische Predigt.
So finden wir im Frühsommer des Jahres 1548 zusammen mit Graf Philipp von Nassau-Weilburg den lutherischen Hofprediger und Superintendenten M. Caspar Goltwurm in Kirchheim. Goltwurm hat als der Reformator Weilburgs zu gelten. Nach dem sog. Augsburger Interim von 1548, das in der Folge des von den Protestanten verlorenen Schmalkaldischen Krieges stand und die evangelische Lehre beschnitt, blieben die reformatorischen Bemühungen in den süddeutschen Landen im allgemeinen und damit auch in den nassauschen Landen stehen. Das Augsburger Interim war in der Hauptsache das Werk der katholischen Theologen Pflug und Helding und machte den Evangelischen nur das Zugeständnis des Laienkelches und der Priesterehe bis zum nächsten Konzil. Im übrigen schrieb es in Lehre und Ritus die katholische Auffassung vor. In Süddeutschland unterwarfen sich die Protestanten dem Interim, oder wurden unterworfen, weil sie gegenüber dem Kaiser völlig wehrlos waren und übten,- wenn überhaupt, nur passiven Widerstand. An manchen Orten erfolgte die sofortige Wiederherstellung des katholischen Kirchenwesens in seinem ganzen Umfange. So ließ in Kirchheim der Mainzer Erzbischof wieder Kirchenvisitationen durchführen. Erst als durch den Passauervertrag von 1552 das Interim ein Ende fand, konnte wieder die evangelische Lehre öffentlich vertreten werden. Endgültige Aufnahme fand die Reformation in der Stadt Kirchheim 1556. Bis zum Jahre 1559 war die Reformation in der ganzen Herrschaft auf der Grundlage der Kirchenordnung Herzog Wolfgangs von Zweibrücken durchgeführt.
Für Albisheim bedeuten diese Vorgänge in der Kirchheimer Herrschaft, dass wir ab 1544 mit dem allmählichen Eindringen der Reformation rechnen dürfen, so dass wir eine Übergangszeit von etwa 15 Jahren ansetzen müssen. In Albisheim wurde die Sache der neuen Lehre sicherlich dadurch gefördert, dass der letzte Abt von Rodenkirchen, Peter Sutor, der doch das Besetzungsrecht der Kirche hatte, selbst zum evangelischen Glauben konvertierte. In der Pfarrbeschreibung von Johann Gümbel aus dem Jahre 1733 kann man fast 200 Jahre später diese Ereignisse um die Reformation in Albisheim so lesen: „Nach der Reformation des Seligen D. Lutheri ist auch Gottlob hießige Kirche dem Mißbrauch des abgöttischen Papstthumbs bald entrißen und von dem Greueldienst repurgiert worden, das eigentliche Jahr wann solches geschehen kann ich nicht anzeigen, doch ist zu vermuthen, daß die Wahrheit des Evangelii nach dem lautem Worte Gottes auch in hießiger Kirche seye zu predigen angefangen worden, so bald die damahlige gemeinsame Herrschaften, alß die Herren Grafen von Nassau und Leiningen, nebst denen Herrn von Wallbrunn sich zur Evangelischen Religion bekennet, oder es ist geschehen, nachdem der letzte Abt von Rodenkirchen, Peter Sutor, bey seiner mutation und Religionsänderung sein gantzes Convent (= Kloster) mit allen dependenzien (= Filialen), folglich auch hießiger Kirch an das Haus Nassau übergeben, welches umbs Jahr Christi 1554 vorgegangen seyn mag.“ In ähnlichen scharfen Worten wie die, die oben die Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der evangelischen Lehre und des katholischen Glaubens kennzeichnen, verteidigt Gümbel die Augsburger Konfession (= Lutheraner), gegen die Reformierten (süddeutsche Anhänger der Reformation, Zwinglianer und Calvinisten). So endet er seine Darstellung nach dem Frieden von Rijsvijk (1697), der nicht nur den Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete, sondern auch die Religionsangelegenheiten neu ordnete:
„stehet alßo die Kirch denen Evangelisch Lutherischen allein zu, und haben weder die Reformati noch Catholici darinn einiges Exercitium.“
Die äußere Geschicke der evangelischen Pfarrei Albisheim sind kurz dargestellt. Seit etwa 1544 also bestand eine lutherische Pfarrei, die von Nassau besetzt wurde. Dazu gehörten Immesheim und Einselthum. 1592 wurden von Albisheim aus auch die Orte Gauersheim und Rittersheim kirchlich versehen. Zwischen 1635 und 1654 war die Pfarrei unbesetzt, ebenso 1688 bis 1698. Sie wurde während dieser Vakanzen von Gauersheim aus versorgt. Die Reformierten in Albisheim waren nach Stetten, Einselthum und Ottersheim gepfarrt, bis sie ab 1738 nach Kirchheimbolanden umgepfarrt wurden. Eine reformierte Pfarrei Albisheim bestand also nicht. Die lutherische Pfarrei Albisheim gehörte zur Inspektion (= Dekanat) Kirchheimbolanden. Immesheim, heute mit Albisheim zu einer Kirchengemeinde verbunden, gehörte, wie oben zu ersehen, seit 1544 zur lutherischen Pfarrei Albisheim. Die Reformierten von Immesheim aber wurden um 1600 in Ottersheim seelsorglich versehen, bis sie 1697 nach Rodenbach bei Ebertsheim gepfarrt wurden. Immesheim wurde 1816 ohne Rücksicht auf die konfessionellen Gegebenheiten, ob Lutheraner oder Reformierte, Parochialort von Albisheim. In diesem Vorgang wird schlaglichthaft eine Entwicklung deutlich, die sich seit langen Jahren anbahnte und in der Pfalz für das kirchliche Leben notwendig war: die Verbindung der Lutheraner und Reformierten in der Vereinigten Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz im Jahre 1818. Es gibt seit damals keine lutherische Pfarrei Albisheim mehr. Dass Albisheim damals nicht mehr zur Herrschaft Nassau-Weilburg gehörte, sondern zur Pfalz, hängt mit der Eroberung Deutschlands durch die Truppen Napoleons zusammen und der damit verbundenen Neuordnung der deutschen Landkarte und damit auch unserer Heimat. Die kleineren Fürstentümer und Grafschaften wurden aufgelöst und größere Verwaltungseinheiten geschaffen. So wurde durch Gesetze im 9. Jahr der Revolution (= 1801) das linksrheinische Gebiet offiziell mit Frankreich vereinigt. Das Gebiet der heutigen Pfalz und Rheinhessen wurde in dem „departement du mont tonnère“ zusammengefasst. Dieses Gebilde bestand aus vier Arrondissements mit dem Sitz von Unterpräfekturen in Mainz, Kaiserslautern, Speyer und Zweibrücken. Für die linksrheinischen Gebietsabtretungen wurden die früheren Herrschaften mit durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 säkularisierten Kirchengut entschädigt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass nach dem Ende der napoleonischen Ara und dem Wiener Kongress 1814, als die alten Rechtsverhältnisse wiederhergestellt wurden, die Ablösung des Kirchengutes aus der Kirche an den Staat bestehen blieb, aber mit der bereits im Reichsdeputationshauptschluß angelegten Maßgabe, dass der Erlös den kirchlichen Aufgaben zur Verfügung gestellt werden muss. Da der Reichsdeputationshauptschluß ein Reichsgesetz war, behielt er seine Gültigkeit und wurde so zur Keimzelle unseres Kirchensteuersystems, in dem der Staat ja als vergütete Amtshilfeleistung für die Kirche die kirchlichen Abgaben einzieht. So hatte die Pfalz ihre kirchliche Heimat seit 1818 in der Vereinigten protestantisch evangelisch christlichen Kirche der Pfalz bekommen und war dabei recht ordentlich gediehen. So zeugt es von großer historischer, bekenntnismäßiger und ritueller Unkenntnis, wenn die Landessynode der Pfälzischen Landeskirche im Jahre 1978 beschlossen hat, den Namen zu ändern. Künftig hin soll unsere Kirche nicht mehr Vereinigte protestantisch evangelisch christliche Kirche der Pfalz heißen, sondern nur noch Evangelische Kirche der Pfalz. Alle Beteuerungen und Erklärungen, die angeführt werden, um diesen Schritt zu rechtfertigen, erscheinen wie ein Flecken, den man neben das Loch im Gewande setzte und so nun erst recht erreichte, was man verhindern wollte: Aufmerksamkeit. Das angeblich schlichte ‘Evangelisch‘ ist nicht schlicht, sondern charakterlos, weil es in dieser Verbindung nichtssagend ist. Um wie viel charaktervoller war da der alte Name: Vereinigt, das deutet auf die Anerkennung der besonderen konfessionellen Schwerpunkte von Lutheranern und Reformierten als evangeliumsgemäß und Frucht der Reformation, protestantisch, das weist auf die Väter unseres Glaubens hin, als sie auf dem Reichstag in Speyer 1529 für ihren Glauben protestierten, und d.h. Zeugnis ablegten und sich somit zum Evangelium bekannten; evangelisch, fasst das Bekenntnis zum Evangelium schärfer und meint die Botschaft Gottes in der Bibel, während das Wort christlich, die Richtung bezeichnet, in der Christus diese Botschaft Gottes deutete und uns Menschen zu verdeutlichen suchte, in dem Sinne, wie Luther Gott als den gerechten und gnädigen zugleich erkannte und erfuhr. Zudem heißen gerade in den anderen europäischen Sprachen unsere Kirchen, wie z.B. im Englischen ‘protestant’ oder im Französischen ‘protestant, protestante’, und nie ‘evangelical’ oder évangelique‘, da es dort den Beigeschmack von evangelikal hat. Aber im Ursprungsland des Protestantismus hat man anscheinend Angst, sich als Protestant zu verstehen, weil man wohl das Missverständnis ‘Protestler’ fürchtet. Oh, welche Armut!
Aber bevor wir uns zu eilfertig der neueren und neuesten Zeit zuwenden, wollen wir noch kurz ein paar Ereignisse dieser Jahre festhalten. Von der Reformation und den sich daraus entwickelnden Schwierigkeiten haben wir schon gehört. Aber nicht nur der Schmalkaldische Krieg war eine Frucht der Auseinandersetzung von Altgläubigen mit den Anhängern der neuen Lehre, sondern auch der dreißigjährige Krieg hatte hier einen Teil seiner Wurzeln, aber nicht alle, sondern ein guter Teil ging auf das reine Machtstreben der verschiedenen Regenten zurück; aber die wahre Absicht war, wie so oft, ummäntelt und verschleiert. In den Wirren dieses großen Krieges wurde die gotische Kirche zu Albisheim erheblich zerstört. Ein Übriges tat der pfälzisch-französische Erbfolgekrieg 1688/89, in dem nicht nur das Heidelberger Schloss niedergebrannt wurde, sondern alle größeren Städte der Pfalz auf Befehl Ludwigs XIV. durch seinen General Mélac zerstört wurden. So wurde auch in Albisheim die Kirche von den französischen Truppen, nachdem der damalige Pfarrer Johann Ludwig Koch vertrieben war, zerstört, so dass sie nach den Worten Pfarrer Gümbels in seiner Beschreibung von 1733 zu Ende des 17. Jahrhunderts einem Stalle ähnlicher sah, als einem Gotteshaus. Dass die Situation nach dem Frieden von Rijsvijk 1697 nicht besser wurde, erhellt allein schon aus der Tatsache, dass die Pfarrei nach der Vertreibung Johann Ludwig Kochs über 10 Jahre nicht besetzt war. Der Nachfolger war Franz Christian Greser, der erst 1698 aufzog und bei seinem Amtsantritt schon fast das 60. Lebensjahr erreicht hatte. Er hatte zunächst mit den Diensten genug zu tun, als dass er sich um die Baumaßnahmen der Kirche kümmern konnte. Erst 1723 wurden dann Bauanstrengungen unternommen. Die gotische Kirche wurde abgerissen und ein Neubau angefangen, in dem noch ohne Dach am 14. Sonntag nach Trinitatis (29. 8.) desgleichen Jahres Johann Adam Gümbel als Hilfsgeistlicher der Gemeinde vorgestellt wurde. Diese Kirche wurde im Oktober 1724 vollendet, und Pfarrer Greser hielt am 17. Sonntag nach Trinitatis (8. 10.) desselben Jahres die Einweihungspredigt. Die Handwerksmeister waren Johannes Plantz, Mauerer aus Kerzenheim, Felix Marx, Glasner aus Kirchheim und Henrich Erdtmann (= Adam) Heßler, Schreiner von Kirchheim. Das verbaute Holz lieferte unentgeldlich die Herrschaft von Kirchheim aus ihren Wäldern. Über die Ausstattung erfahren wir aus der Pfarrbeschreibung Gümbels, der nach dem Tod des Franz Christian Gresers am 14. Februar 1726 als Pfarrer von Albisheim berufen ward, dass es Stühle gab, sowie Kanzel, Altar und Empore. Über die Stühle vermerkte er, dass zwei von ihnen vergittert sind, und davon der eine sich an der Kanzel befindet, in dem der Pfarrer seinen Platz hat und auch die Beichte zu hören pflegte (wir erinnern uns, dass Albisheim eine lutherische Pfarrei war!), während der andere, der sich gegenüber befindet, für die Frau und Kinder des Pfarrers bestimmt ist, doch auch Fremde höheren Ranges in ihm dem Gottesdienst beiwohnen. Im Jahre 1729 wurde für die neue Kirche auch eine neue Orgel gewünscht. So beschloss die Kirchengemeinde am 11. Februar des gleichen Jahres einen Vertrag mit dem Churpfälzjschen Werkmeister Johann Georg Foerle aus Alzey einen dementsprechenden Vertrag. Die neue Orgel sollte 12 Register umfassen und zwar das Prinzipal aus Zinn, 8 Fuß, die Quint von Metall, 3 Fuß, Octav von Metall, 2 Fuß, Viola di Garnba aus Holz und Metall, 8 Fuß, Groß gedackt aus Holz, 8 Fuß, Flöte aus Holz, 8 Fuß, Mixtur, dreifach aus Metall, 1 Fuß. Das Pedal sollte umfassen Subbaß aus Holz, 16 Fuß, Octav aus Holz, 8 Fuß, Posaunen (Baß), 8 Fuß, den Coppelzug sowie Tremulant und das Auslaßventil
Diese Orgel sollte 350 fl (= Gulden) kosten. Sie sollte noch vor Weihnachten 1729 fertig gestellt sein. Allein der Orgelbauer Foerle zog die Arbeiten bis in die Pfingstwoche des nächsten Jahres hin. Als die Orgel dann auf ihre Spielbarkeit geprüft wurde, befanden die Prüfer, Pfarrer Johannes Streuber aus Rüssingen, Pfarrer Johann Konrad Bergmann aus Dannenfels und der Kirchheimer Organist Lucae, dass die Blasebälge und das Prinzipal gänzlich erneuert werden müssten. Diese Änderung zog sich von Pfingsten 1730 bis Oktober 1731 hin, da Meister Foerle in den mehr als 16 verflossenen Monaten sich nicht mehr in Albisheim blicken ließ. In den 14 Tagen bis zum Königsfest (damals noch montags nach dem 16. Oktober gefeiert) ersetzte er das Principal und die beiden Bälge. Daraufhin attestierte Pfarrer Bergmann aus Dannenfels, dass die Orgel in gutem Zustand sei, während die beiden anderen Prüfer von dem Abnahmetermin nicht verständigt wurden. Da aber die Orgel nach wie vor nicht spielbar war, verweigerte die Kirchengemeinde die restliche Auszahlung des vereinbarten Honorars. Johann Georg Foerle klagte daraufhin gegen die Kirchengemeinde Albisheim, wobei die Gemeinde ihre Einwände vortrug. Dieser Prozess zog sich nun fast zwei Jahre bis in den Juni 1733 hin. In diesem Monat wurden zwei Orgelsachverständjge auf Anordnung des Amtes, Organist Zech aus Worms und der Orgelbauer Hartung aus Türkheirn (= Bad Dürkheim) bestellt, die die Orgel in der Peterskirche zu Albisheim noch einmal untersuchen sollten. Sie kamen zu dem Urteil, dass die Orgel ganz und gar untauglich sei und die Forderungen von Foerle nicht rechtens seien. Danach wurde der Prozess für drei Jahre unterbrochen Endlich, am 16.Julj 1736 wurde der Orgelbauer Foerle dazu verurteilt, binnen zwei Monaten die Orgel gemäß dem geschlossenen Vertrag ordentlich und in untadeligem Zustand auszuführen, widrigenfalls das bereits als Vorschuss erhaltene Geld wieder zurückgezahlt werden muss. Jedenfalls scheint diese Orgel der Gemeinde und dem Pfarrer nicht allzu viel Freude bereitet zu haben. Denn noch während der Amtszeit Pfarrer Gümbels (1726-20. April 1777) war um das Jahr 1760 eine neue Orgel notwendig geworden. Sie wurde diesmal von dem berühmten Orgelbauer Johann Michael Stumm aus Sulzbach-Rhaunen im Hunsrück erstellt und erfreut noch heute die Gemeinde nicht nur bei den Gottesdiensten, sondern auch bei Kirchenkonzerten
Aus der Pfarrbeschreibung Gümbels erfahren wir auch von Bestattungen, die innerhalb der Kirche stattgefunden haben, und zwar sowohl in der gotischen Kirche als auch in der Kirche, die 1723/24 erbaut wurde. Er schreibt: „Unter den hiesigen Pastoribus finde ich, dass Nikolaus Otto (Pfarrer in Albisheim 1592-1604)1605 dahier verstorben und in der Kirch begraben worden. Dann ist auch dahin begraben worden Hr. Pfarrer Greseri Töchterlein, deme auch ein steinern Monumentum in die Mauer der neuen Kirch gesetzt worden. A(nn)o 1712 wurde auch seine Frau Schwiegermutter in der Kirch begraben, und a(nn)o 1726, er Hr. Pfarrer Greser selbst. Ingleichen 1733 meine liebe selig verstorbene Frau Ursula, liegt zwischen dem Pfarrstuhl und dem Altar.“
Der Grabstein von der Tochter des Pfarrer Greser ist heute in der westlichen Friedhofsmauer oberhalb der alten Leichenhalle eingemauert. Er ist meiner Kenntnis nach der älteste Grabstein auf dem Albisheimer Friedhof. Der Text, der am Rand gleich einem Band umläuft, heißt:
(Mar)ia Barbara Greserin ist gebohren anno 16(98) (und gestorbe)n den O(ktober) 1703. Im äußeren Feld heißt es: (Leich) Text, (Psalm) 103. Im Mittelfeld ist ein Wortspiel als Leicheninschrift eingemeißelt, das sich aus den Worten der Verse 15 und 16 des 103. Psalmes und dem Namen Greser in der Deutung Gräser ergibt:
Wie das Gras heut blüht und steht
morgen durch den Wind verweht
so sind meine Gresers Wangen
durch den Tod wie Gras vergangen
Im 18.Jahrhundert sei nun noch zwei Ereignisse gedacht, die für die Gemeinde Folgen hatte. Ende 1776 war ein neues ABC-Buch durch die Herrschaft in Kirchheim als Lehrbuch eingeführt worden. Ab Januar 1777 galt dieses Buch in der gesamten Herrschaft. Die sich daran entzündenden Auseinandersetzungen erlebte Johann Adam Gümbel nicht mehr. Sein Nachfolger, Vikar Johannes Lahr versah die Pfarrei in diesen turbulenten Tagen (siehe sep. Artikel).
Nachdem Vikar Lahr 1778 abberufen wurde, übernahm Pfarrer Karl Daniel Philipp Kayser aus Wetterroda die Pfarrei Albisheim. Er war der erste Pfarrer, der seine Bezahlung nicht mehr durch die Pfründe und Pfarräcker abgegolten wissen wollte, sondern forderte stattdessen ein festes Gehalt. Dies gelang ihm um so mehr als durch unred liche Machenschaften das Pfarrgut erheblich geschmälert ward, so dass die Versorgung der Pfarrer nicht mehr ausreichend gesichert schien. Zu seiner Zeit muss die Kirche, die 1723/24 errichtet wurde, bereits wieder in einem desolaten Zustand gewesen sein, so dass der Kayser im April 1792 den Grundstein zur heutigen Kirche legte. Sie ist ein Querrechteckbau, dessen Mittelachse in der Längsseite verläuft. In der Westfront ist die alte Petruspforte von der alten gotischen Kirche wiedereingesetzt, während die Südseite das Hauptportal aufweist. Im Giebelfeld über dem Portal steht die Abkürzung D + O + M sowie die Jahreszahl MDCCLXXXXII. Die Abkürzung bedeutet:
D(eo) O(ptimo) M(aximo) d.h. dem höchsten und besten Gott (ist diese Kirche erbaut worden).
Der Bauleiter war vermutlich ein Schüler der nassau-weilburgische Hofbaumeister Rothweil, zumindest scheinen die Pläne dies nahe zu legen. Die Kirche, die für eine Dorfkirche recht groß ist (600 Sitzplätze), war wohl eine Art versöhnlicher Geste des Fürsten, der seine Albisheimer Untertanen mit dem ABC-Buch recht verärgert hatte, um so mehr als sich anschließend der Prozess gegen Morgenstern unziemlich lange hinzog. Im Grundstein dieser Kirche ist zu lesen:
Zur Ehre des Allerhöchsten
zu Ausübung und Ausbreitung
der reinen evangelischen Lehre
unter der beglückten Regierung
des durchleuchtigsten Fürsten
Friedrich Wilhelm zu Nassau Weilburg
da das Reich durch allzufrühes Ableben
weil(and) seiner kaiserlichen Majestät
Leopoldi II. ohne Oberhaupt war
ist der Grundstein zu dieser neuen Kirche
in dem Ort Albisheim feierlich gelegt worden
den 30. April 1792
C(arl) D(aniel) P(hilipp) Kayser, Ev.luth.Pfarrer.
Diese Kirche wurde 1965-67 unter Pfarrer Heinrich Gilcher mustergültig renoviert. Leider haben Wind und Wetter und auch die Sonne im Laufe der letzten 20Jahre wieder das Außengewand der Kirche angegriffen, so dass über kurz oder lang eine neue Renovierung fällig sein wird (diese wurde im Jahre 1997 durchgeführt). Jedenfalls war die neue Kirche mit einem mittelalterlichen Turm versehen, der genügend Probleme mit sich brachte. So schreibt 1807 der Bürgermeister von Albisheim Philipp Gräser an den Präsidenten des Departement du Mont Tonnère:
„Schon mehrere Jahre lang ist der hießige Kirchturm in einem sehr baufälligen Zustande und kann ohne Reparation länger so nicht stehen, zumalen er mit der Kirche, welche noch ganz neu ist, verbunden ist und kurz vor dem Kriege erst erbaut worden ist, verbunden ist und wann sollte eine Reparation länger verschoben werden, der Kirchenbau dadurch notleiden würde.“ Schon damals waren die Baulasten für die Gemeinde nicht sonderlich leicht zu erbringen. Bis 1843 besaß der Turm ein Zwiebeldach, das damals durch den heutigen Turmhelm abgelöst wurde.
So sind wir über die Bau- und Renovierungsprobleme unbemerkt ins 19.Jahrhundert gelangt. Es brachte, wie oben schon erwähnt die Ablösung des Konfessionalismus und damit 1818 die Errichtung der Vereinigten protestantisch evangelisch christlichen Kirche der Pfalz, und damit das Ende für die lutherische Pfarrei Albisheim, deren Wurzeln aber stellenweise noch spürbar ist. Die unierte protestantische Pfarrei Albisheim schloss sich nahtlos an. Pfarrer dieser Jahre war Karl Ludwig Hermann, der von 1814-1836 der protestantischen Gemeinde Albisheim als Seelsorger vorstand.
Unter seinem zweiten Nachfolger, Philipp Jakob Böhm, Pfarrer in Albisheim von 1853-1875, wurde das heutige Pfarrhaus erbaut. Es trägt über seiner Eingangstür die jedem Pfarrhaus geziemenden Worte „Sei gegrüßt“. Natürlich haben die Kriege des letzten Jahrhunderts und erst recht unseres Jahrhunderts ihre Spuren in der Kirchengemeinde sichtbar hinterlassen.
Der Nachfolger von Pfarrer Böhm, Pfarrer Philipp Jakob Böckler war 44 Jahre lang Seelsorger in Albisheim.. Er ging 1920 in den Ruhestand und starb 1925 in Albisheim. Sein Grabstein ist noch auf dem Felde hinter der Kirche zu sehen.
Die Jahre von 1933-1945 waren auch für die Kirchengemeinde nicht leicht. Aber auch hier bewahrheitet sich der Vers aus dem 1. Petrusbrief 1, 25: „Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.“ Am 2. Januar 1945 wurde die Kirche durch eine Fliegerbombe erheblich zerstört. Die Aufbauarbeiten wurden unter Pfarrer Wilhelm Dambach in den Jahren 1948/49 aufgenommen, vermochten aber nur die gröbsten Schäden zu beheben. Wie bereits erwähnt, wurde die nächst größere Renovierung der Kirche und des Turmes unter Pfarrer Heinrich Gilcher durchgeführt. Diese Renovierung sanierte nicht nur die Bausubstanz, sondern gab der Kirche innen ihre festlich wirkende Farbgebung, so dass sie ihre Besucher in ihren Bann zieht. Diese Renovierung wurde in den Jahren 1965 bis 67 durchgeführt. Die Einweihung erfolgte am 1. Advent 1967. Das Pfarrhaus wurde nach dem Weggang von Pfr. Gilcher 1968 auf den erforderlichen Stand gebracht, da z.B. der Boden durch Wurzelauswüchse von den Bäumen, die den Friedhof säumten, gehoben wurde. So konnte Pfarrer Postel, der 1969 Heinrich Gilcher als Seelsorger nachfolgte, einige Wochen nach seiner Ernennung in das wieder hergerichtete Pfarrhaus einziehen. Unter ihm wurde die Kantorei Albisheim gegründet. Sie stand bis Weihnachten 1982 unter der Leitung von Herrn Kirchenmusikdirektor Hans Jakob Haller; von 1983 bis Juli 1985 wurde sie von Herrn Christoph Unger aus Alsenbrück geführt. Sie umfasste etwa 32 Männer und Frauen aus der Pfarrei Albisheim mit Gästen aus Gauersheim, Stetten und Bischheim. Bei ihren etwa 30 Einsätzen pro Jahr veranstaltet sie nicht nur Kirchenkonzerte in Albisheim und in der weiteren nordpfälzischen Heimat, sondern gestaltet in der Hauptsache die Gottesdienste mit. So wird Kirchenmusik zur gesungenen Verkündigung des Wortes Gottes, die ideale Ergänzung zur Predigt.
Bereits 1953 baute die Kirchengemeinde unter Pfr. Rolf Eckstein die ehemalige Pfarrscheuer, die im Pfarrhof liegt, zu einem Kindergarten um. Die Arbeit in diesem Kindergarten wurde bis 1979, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, aufrecht erhalten. Durch das Kindergartengesetz des Landes Rheinland-Pfalz, das auch für die in kirchlicher Trägerschaft stehenden Kindergärten Gültigkeit hat, waren Mindestanforderungen an das Betreiben eines Kindergartens gestellt, so dass der protestantische Kindergarten Albisheim nicht mehr den Richtlinien entsprach. Die Pläne für eine Erweiterung bzw. Neubau wurden immer wieder diskutiert und verworfen, bis sich ab 1978 dann die politische Gemeinde Albisheim und die protestantische Kirchengemeinde Albisheim darauf einigten, das Schulhaus kindergartengerecht umzubauen, während die protestantische Kirchengemeinde weiterhin die Trägerschaft ausübt. Ortsbürgermeister Ludwig Höchel als Vertreter der Ortsgemeinde Albisheim und Pfarrer Rüdiger Unger als Vertreter der Kirchengemeinde haben diese Regelung in einem Vertrag festgeschrieben. Die Schule war frei geworden, da die Hauptschule nach Göllheim integriert wurde, und die Gebäude der Zellertalschule wurden zur Grundschule für den Einzugsbereich Zellertal und Violental, so dass die Albisheimer ABC-Schützen bis einschließlich der vierten Klasse nun nach Harxheim fahren müssen. Das Gebäude des ehemaligen Kindergartens wurde in den Jahren 1980-1984 renoviert. Nach den vorbereitenden Arbeiten 1980-81 umfasste die eigentliche Renovierungszeit Mai 1982 bis Dezember 1984. Am 1. Advent, dem Tag der Presbyterwahl, wurde das Haus im Rahmen eines Gemeindefestes als Prot. Gemeindehaus in Dienst genommen. Die Renovierungszeit zog sich unziemlich lange hin. Dies hängt damit zusammen, dass, um auf das erforderliche Drittel an Eigenkapital zur Durchführung der Renovierung und zum Erhalt der kirchenaufsichtlichen Genehmigung zu kommen, 40.000,- DM an Eigenleistung eingeplant werden mussten. Deshalb sei hier noch einmal allen gedankt, die es sich in ihrer Freizeit nicht nehmen ließen, an der „Gemeindebaustelle“ zu wirken.
Hier noch das Presbyterium in Albisheim, das am 1. Advent 1984 für die Dauer von sechs Jahren gewählt wurde. Es sind die Herren:
Gerhard Arndt, Rentner; Jakob Dinges, Metzgermeister; Helmut Göttgen, Landwirt i. R.; Peter Jung Polizeibeamter; Albert Merz, Kaufhmann i. R.; Heinz Treiber, Landwirt; Hermann Weil, Arbeiter;
Ersatzpresbyter sind folgende Damen und Herren:
Hermann Keller, Landwirt; Marianne Baumgärtner, Verwaltungsangestellte; Marga Füller, Hausfrau; Bernd Sältzer, Elektromeister; Christel Baum, Hausfrau; Kurt Schmitt, Arbeiter; Harry Wilhelm, Rentner.
Als Vorsitzender des Presbyteriums wurde Pfr. Unger gewählt. Wünschen wir, dass die Kirchengemeinde wie auch der Ort Albisheim weiterhin für Menschen eine Heimstätte sein kann, und die gestaltenden Kräfte unseres Heimatdorfes für das Wohl seiner Menschen wirken mögen. Unter Pfarrer Eckstein wurde auch das neue Geläut angeschafft. Die alten Glocken waren in der Kriegszeit eingeschmolzen worden bis auf eine kleine Bronceglocke, die der jüdische Bäckermeister Adam Gümbel in den 20er Jahren stiftete. Sein Sohn August Gümbel, wohnhaft in Basel, hat die Stiftung seines Vaters erneuert und dem Verkauf der alten Glocke zugestimmt, da das neue Geläut nicht mehr aus Bronce bestand, sondern Stahlgußglocken waren. Von den fünf vorgesehenen Glocken konnten vier angeschafft werden. Es sind dies die Johannesglocke (Schlagton g‘) mit der Inschrift: Wir verkündigen euch/daß Gott Licht ist/und in ihm ist keine Finsternis, die Lukasglocke (Schlagton a‘) mit der Inschrift: Man muß Gott mehr gehorchen/denn den Menschen, und dem Hinweis: Im Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges stiftete mich August Gümbel erneut der Prot. Kirchengemeinde Albisheim an der Pfrimm, die Markusglocke (Schlagton h‘) mit der Inschrift: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt, und die Matthäusglocke (Schlagton d‘) mit der Inschrift: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie. Die größte Glocke mit dem Schlagton d‘-l konnte bislang (bis 2003) nicht gegossen werden. So läutete bis dahin die Johannesglocke zum Abend und bis zur Anschaffung der größten Glocke auch als Totenglocke, die Lukasglocke zum Mittag, die Markusglocke zum Vaterunserbeten und die Matthäusglocke zur Taufe. Gemeinsam rufen sie zum Gottesdienst. Hoffen wir, das es trotz der steigenden Lasten der Kirchengemeinde möglich sein wird, eines Tages die tiefste Glocke zur Abrundung des Geläutes gießen zu lassen, eines Geläutes, das der damalige Glockensachverständige Pfarrer Theodor Fehn aus Tiefenthal als das schönste Gußstahlgeläute der ganzen Pfalz bezeichnete.
Am 04.07.2004 war´s dann endlich soweit – die 5. Glocke konnte mit einem entsprechenden Programm „eingeweiht“ werden. Der Kinder- u. Jugendchor Albisheim hatte in einer am 03.11.2001 gestarteten, einzigartigen Aktion in etwas mehr als zweieinhalb Jahren durch mehrere Veranstaltungen und Spendenaktionen eine Summe von über 20.000,- € zusammengetragen, die für die Anschaffung dieser 5. Glocke Verwendung fanden. Die Glockengiesserei Rincker aus Sinn-Aßlar bei Wetzlar wurde beauftragt und goss am 21.11.2003 die noch fehlende, größte der nun 5 Glocken. Die Christusglocke hat die Inschrift: “Mir ist gegeben alle Gewalt, im Himmel und auf Erden“. Am 04.07.2004 wurde die Glocke im Turm angeschlagen, während ein Festgottesdienst und anschließendes Festprogramm im Dorfgemeinschaftshaus den feierlichen Rahmen für dieses Ereignis bildeten.
Bilder hierüber finden ie in der Galerie!!!
Verfasser: Rüdiger Unger, Quelle: Festschrift anl. der 1150 Jahr-Feier der Gemeinde Albisheim, 1985.
Digitalisiert und überarbeitet: Rainer Schroedel